Die 5 Fundamente für den perfekten Ultraschall

Geschrieben von Paul Neugebauer
Wenn es darum geht, einen perfekten Ultraschall durchzuführen, spielen nicht nur technische Fähigkeiten eine Rolle. Vielmehr geht es um ein ganzes Paket aus verschiedenen Faktoren, die perfekt ineinander greifen müssen. Die 5 Fundamente, auf denen ein perfekter Ultraschall aufgebaut ist, basieren auf vier Lernbereichen sowie dem richtigen Mindset bzw. Selbstbewusstsein. Mit dem richtigen Fokus auf den nächsten, richtigen Schritt beim Verbessern des Ultraschalls und einer gezielten Vorgehensweise kannst du die Patientenversorgung mit der erforderlichen Sicherheit auf die nächste Stufe bringen.

Die meisten können sich vorstellen, wie ein "perfekter Ultraschall" in etwa aussehen könnte bei Thema X, Y oder Z. Was immer unklar bleibt, ist die Zusammensetzung dieser Perfektion und vor allem der Weg dahin. Hierzu muss man sich auch das Thema Lernmethodik genauer ansehen. In den 20 Jahren, in denen ich mich mit dem Thema Ultraschall jetzt schon beschäftige, hatte ich nicht nur einige großartige Mentoren, sondern habe auch verschiedene Ansätze zum Thema Didaktik und praktischem Teaching kennengelernt. Entscheidend war aber der letzte Schritt - die systematische 1:1 Replikation dieses Wissens und dieser Erfahrung auf hunderte unserer Sonocoach-Trainees. Dieses System möchte ich heute im Detail vorstellen, um aus deinem "learning-by-doing" endlich ein "learning-by-system" zu machen.


Warum "Erfahrung" KEIN Fundament des perfekten Ultraschalls ist

Kompetenz und Erfahrung werden oft fälschlicherweise als Synonyme verwendet. Viele Menschen glauben, dass sie aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung automatisch kompetent sind. Doch das stimmt nicht. Erfahrung heißt nicht zwangsläufig, dass man gut in dem ist, was man tut. Es ist möglich, jahrzehntelang dasselbe falsch zu machen und somit keine Kompetenz zu erlangen.

Der Unterschied zwischen Erfahrung und Kompetenz besteht darin, dass Erfahrung sich lediglich auf die Dauer bezieht, die man etwas tut, während Kompetenz sich auf die Qualität bezieht, mit der man es tut. Für Kompetenz ist es ausschlaggebend, was man in der Zeit, in der man Erfahrungen gesammelt hat, tatsächlich gelernt hat. Nur indem man ständig daran arbeitet, seine Fähigkeiten zu verbessern, kann man tatsächlich als kompetent bezeichnet werden.

Es ist also wichtig zu verstehen, dass Kompetenz nicht automatisch mit der Zeit kommt. Stattdessen ist man selbst dafür verantwortlich, zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Verwertbare und hilfreiche Erfahrungen sammelt man nur während eines korrekt ablaufenden Lernprozesses.

Beim Ultraschall ist der Mythos "das kommt mit Erfahrung" in dreierlei Hinsicht schädlich:1. Der Versuch Erfahrung zu sammeln ohne die richtigen Fundamente zu kennen/können führt in die Sackgasse oder zu Fehldiagnosen2. Sobald man subjektiv "ausreichend" Erfahrung gesammelt hat, beginnt die Stagnation3. Neue Themen und Fertigkeiten werden nicht angegangen, da man sowieso "nicht genug Zeit hätte" um darin Erfahrungen zu sammeln


Nur wer mehr macht, als er schon kann, verfügt später über mehr Kompetenz

Dafür müssen wir aber erstmal definieren, welche die Bereiche sind, in denen wir "mehr" machen wollen, wie die Qualitäts-Stufen in den einzelnen Bereichen aussehen und mit welchem "Mindset", also Bewußtseins-Einstellung wir jeweils daran arbeiten müssen. Diese Vorgehensweise ist zwingend erforderlich, um sich auf die richtigen nächsten Schritte zu fokussieren und seine Erwartungshaltung korrekt zu "kalibrieren". Nur so lässt sich maximale Lern-Effizienz mit hoher Anwendungssicherheit kombinieren.

Die 4 Kompetenzen an denen du arbeiten musst, sind beim Ultraschall:

1. Technik
2. Orientierung
3. Befunde
4. Interpretation

Jeder dieser Lernbereiche kann wiederum in verschiedene Niveaustufen und Inhalte eingeteilt werden.


Kompetenzen verbessern ohne an Sicherheit einzubüßen

Im ersten Schritt identifizieren wir also die notwendigen Kompetenzstufen in den einzelnen Bereichen, die für unser Lernziel (zum Beispiel Abdomen-Grundlagen, EFAST oder Darmsonographie) notwendig sind. Dieser mentale Schritt stellt auch gleichzeitig die erste Stufe beim 5. Fundament, dem Mindset, dar. Ohne diesen Schritt, nämlich die Erkenntnis, dass etwas erlernbar ist, und wie der Weg dorthin aussieht, folgt sonst nur Vermeidung oder Frustration.

Auf dieser Stufe können wir beim Thema Befundungssicherheit schon auf dem Niveau "ja/nein" und mit Arbeitsdiagnosen untersuchen.

Der nächste mentale Schritt erfordert Analyse, Unterscheidung und Kenntnis von Fehlern, Problemen, Lücken und Statistiken. Unverzichtbar ist hierbei eine externe Supervision, Objektivierung und Feedback zu allen (!) Kompetenzbereichen, an denen man gerade arbeitet.

Die letzte Stufe zu erklimmen, ist die schwierigste Hürde. Nicht nur, weil man eine umfassende Übersicht benötigt zu den eigenen und den benötigten Kompetenzen, sondern auch das Selbstvertrauen, immer dem Stand seiner eigenen Fertigkeiten entsprechend, sich auf eine definitive Diagnose festzulegen. Ab hier kann und wird es auch zu Fehldiagnosen kommen. Diese können sowohl aus eigenen Fehlern herrühren, als auch einfach der Statistik geschuldet sein. Diese Umstände zu akzeptieren ist aber notwendig, um aus den 90% positiven Bestätigungen zu profitieren und aus den restlichen 10% weitere Learnings herauszuziehen.


Wenn du den in diesem Abschnitt beschriebenen fundamentalen Faktor nicht beachtest, kannst du die Sache mit dem Ultraschall auch ganz sein lassen!

Denn
- ohne das Wissen um die Erlernbarkeit und die nächsten Schritte
- ohne Eingrenzung und Supervision der notwendigen Kompetenzen
- ohne das Festlegen auf eine (deinem Kompetenzlevel) entsprechende diagnostische Aussage wirst du weder wissen, was du lernen oder üben musst, noch ob du es dann richtig angehst, noch wirst du dich jemals auf einen Befund festlegen können.


Klingt kompliziert, ist es auch

Aber dafür hast du ja uns, um dir zu helfen, diese Systematik auf deine individuelle Situation und Ultraschall-Ziele umzusetzen. Hier ein Beispiel, wie man das ganze praktisch anwenden kann:

Thema Leberherde:
Du hast letzte Woche in der Praxis schon wieder ein Hämangiom nicht gefunden und machst dir Sorgen, beim nächsten Screening die Lebermetastase zu übersehen.

Technik:
Die Leber "großteils" zu finden, reicht nicht mehr aus. Spezielle Manöver sind notwendig, um mehr Lebervolumen sicherer darzustellen. FKDS oder spezielle Bildoptimierungskenntnisse sind aber nicht notwendig. Wichtig ist es auch, systematisch eine Aussage treffen zu können, ob man die Leber vollständig durchsehen konnte.

Orientierung:
Es reicht die solide Kenntnis der normalen Leber. Die anatomische Feinorientierung über Segmente, Gefäßverläufe oder Nebenbefunde ist für unser Ziel nicht notwendig.

Befunde:
Für die Aussage "Leberherd ja/nein" ist prinzipiell gar keine Kenntnis von Pathologien notwendig. Zur visuellen Schulung kann es hilfreich sein, sich die 3-4 klassischen und häufigen Leberläsionen mal orientierend anzusehen.

Interpretation:
Das wichtigste Ziel in diesem Beispielkontext ist es, keine Überdiagnostik durch falsch positive Befunde zu betreiben. Daher ist der Fokus auf die sichere Erkennung des Normalbefunds (= keine fokalen Läsionen) zu richten. Hierbei gibt es bei Beachtung von Kompetenzen Nr. 1+2 zu 99% keinen Interpretationsspielraum!

Mindset:
korrektes Erlernen oder Optimieren der Punkte 1 und 2 führt zwangsläufig zur definitiven Möglichkeit, die Frage "Leberherde ja/nein" immer und korrekt zu beantworten. Untersuchungseigene Limitationen sind natürlich immer zu berücksichtigen und in die Entscheidungsfindung zu integrieren, das gilt aber genauso für andere diagnostische Techniken!


Dein Schritt-für-Schritt Plan zum perfekten Ultraschall

1. Wähle dein Lernziel
2. Analysiere die Kompetenzlage in allen 4 Bereichen (ist/soll)
3. Verbessere die notwendigen Kompetenzen entsprechend
4. Hole dir Supervision ein
5. Passe dein Selbstbewusstsein im Lauf des Lernprozesses an den jeweiligen Kompetenzstand an


Zusammenfassung

- Die 5 Grundlagen für den perfekten Ultraschall setzen sich aus vier Lernbereichen sowie der richtigen Einstellung und Selbstvertrauen zusammen.
- Es ist wichtig zu verstehen, dass Erfahrung nicht gleich Kompetenz ist. Um kompetent zu sein, muss man lernen und sich weiterentwickeln, indem man sich auf die richtigen nächsten Schritte konzentriert und die Erwartungen entsprechend kalibriert.
- Die 4 fundamentalen Kompetenzen sind Technik, Orientierung, Befunde und Interpretation.
- Die richtige mentale Einstellung und das dem eigenen Kompetenzstand entsprechende Selbstvertrauen sind essentiell für den Lernerfolg.

Über Sonocoach

Mit mehr Sicherheit und Struktur zu besseren Befunden beim Ultraschall - das bedeutet Selbständigkeit und Expertenstatus für deine Patienten. Die Sonocoach-Methode hat bereits über 300 Kollegen/innen dabei geholfen, endlich eigenständig und sicher mit Ultraschall zu diagnostizieren.

Paul Neugebauer

Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Geschäftsführung und Leitung des Ultraschalltrainings

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Wenn du erfahren möchtest, wie du diese Tips und Hinweise konkret in deiner aktuellen Ultraschall-Situation erlernen und umsetzen kannst, dann können wir gerne gemeinsam darüber sprechen.

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